Fachanwalt für Strafrecht Jahn-Rüdiger Albert


Festnahme: Sofort den Anwalt anrufen


Wird Ihrem Angehörigen die vorläufige Festnahme durch die Polizei erklärt, muss man damit rechnen, dass er in wenigen Stunden dem Ermittlungsrichter beim nächstgelegenen Amtsgericht vorgeführt wird.

Der Richter entscheidet, ob ein Haftbefehl erlassen wird oder bestehen bleibt. Das heißt, er entscheidet über Freiheit oder Gefängnis für jemanden, der eigentlich als unschuldig gilt. Denn ein ordentliches Strafverfahren oder gar ein Urteil gibt es ja noch gar nicht.

Jetzt heißt es: schnell reagieren. Sie müssen sofort den Anwalt Ihres Vertrauens einschalten. Gerade wenn jemand zur Polizei mitgenommen wird, ist es wichtig, dass der Anwalt alles liegen und stehen lässt und sofort dafür sorgt, dass die Vernehmung unterbrochen wird.

Dadurch erhöhen sich die Chancen, dass kein Haftbefehl ergeht. Vor allem aber muss der Anwalt verhindern, dass der Festgenommene sich selbst belastet.

 

Untersuchungshaft: Besuchen und Geldeinzahlen


Wenn sich der Haftbefehl nicht vermeiden lässt, heißt es, erst einmal Ruhe zu bewahren. Statt wild irgendwelche Beschwerden einzureichen, muss der Anwalt jetzt so schnell wie möglich dafür sorgen, die Akte zu bekommen.

Die Angehörigen aber müssen nicht untätig sein. Die ersten Tage im Gefängnis sind die Schlimmsten: kein Besuch, kein Geld, kein Fernseher. Ein freundlicher Anwalt versucht, den Mandanten in dieser Zeit so oft wie möglich zu besuchen, wenn es ihm schlecht geht, um diese Zeit zu überbrücken.

Die Angehörigen sollten so schnell wie möglich etwas Geld beim Gefängnis einzahlen. Nichts ist schlimmer als ein Einkaufstag ohne Geld. Die meisten Gefängnisse verlangen Überweisungen – unbedingt angegeben werden muss die Justizvollzugsanstalt, der Name und das Geburtsdatum des Gefangenen.

Die Anschriften und Telefonnummer der bayerischen Gefängnisse finden Sie hier:  www.justizvollzug-bayern.de/JV/Anstalten/Verzeichnis.

Und genauso wichtig: Stellen Sie sofort einen Besuchsantrag. Darüber muss nämlich der Richter entscheiden. Und das kann dauern, er fragt erst die Staatsanwaltschaft, ob sie Bedenken hat. Das heißt: Akten werden hin und hergeschickt. Bis zum ersten Besuch vergehen mehrere Wochen, deshalb: so schnell wie möglich den Antrag beim Ermittlungsgericht stellen.

Selbstverständlich helfen wir Angehörigen auch mit Rat und Tat weiter. Gerade wer zum ersten Mal mit Gefängnissen zu tun hat, wird etwas Zeit benötigen, um die richtigen Ansprechpartner zu finden und auch den richtigen Ton.

Oft gibt es viele Folgeprobleme, wenn die Arbeitsstelle weg ist wegen der Haft, die Miete nicht mehr gezahlt werden kann, Rechungen liegen bleiben. Scheuen Sie sich nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen. In Nürnberg gibt es zum Beispiel die Beratungsstelle für Angehörige von Inhaftierten (BAI).

 

Strafhaft


In Strafhaft werden Urteile der Strafgerichte vollstreckt. Entweder Freiheitsstrafen oder sogenannte Ersatzfreiheitsstrafen, wenn man eine Geldstrafe nicht bezahlt hat.

Die eigentliche Tätigkeit des Verteidigers ist hier abgeschlossen, weil – in der Regel – schon ein rechtskräftiges Urteil vorliegt. Nur in seltenen Ausnahmefällen kann man mit einem Wiederaufnahmeverfahren versuchen, ein rechtskräftiges Urteil aufheben zu lassen. Die Haft wird aber meist trotzdem erst weiter vollstreckt.


Aber: Auch in der Strafvollstreckung ist Verteidigung oft nötig. Gerade wenn es um die Aussetzung von Reststrafen zur Bewährung oder zur Teilnahme an Therapie (§ 35 BtMG) geht, ist es wichtig, den Anwalt nicht erst einzuschalten, wenn schon ablehnende Beschlüsse ergangen sind. Aber spätestens dann muss der Anwalt her.

Das Problem: Beschwerdefristen sind sehr knapp im Strafrecht. Es ist deshalb sinnvoll, schon einmal  bei Gericht Beschwerde einzulegen, wenn man noch keinen Anwalt hat, und mitzuteilen, dass man für die Begründung noch z.B. zwei Wochen Frist benötigt; damit bleibt genügend Zeit, in der sich der Anwalt einschalten kann.

Für den Betroffenen sind die Entscheidungen der Strafvollstreckungskammern oft von existenzieller Bedeutung. Dass man hier Erfolge haben kann, zeigt unsere Rechtsprechungsübersicht unter „Aktuelles“, in der wir interessante Fälle aus unserer Arbeit vorstellen.

Rechtsanwälte

Jahn-Rüdiger Albert
Sevtap Oygün

Gustav-Schickedanz-Str. 7
90762 Fürth
Telefon (09 11) 23 99 166 - 0
Telefax (09 11) 23 99 166 - 6

E-Mail: info@ra-aob.de