Fachanwalt für Strafrecht Jahn-Rüdiger Albert


Wenn es morgens drei Mal klingelt:

Richtiges Verhalten bei Hausdursuchungen


Morgens 5.00 Uhr - Polizei oder Steuerfahndung vor der Wohnungstüre: „Aufmachen! Polizei!“ Das wird mir nie passieren, denken Sie? Es kann schneller gehen, als man denkt: Jemand behauptet, Sie würden eine Scheinehe führen, Steuern hinterziehen oder Sie hätten ein anderes Auto beschädigt. Oder: Sie sind Zeuge und bei Ihnen könnten interessante Unterlagen liegen.

Wenn das Ihnen passiert: 

  • Keine Panik! Sagen Sie freundlich, aber deutlich: Ich möchte den Dienstausweis und den Durchsuchungsbeschluss sehen. Lassen Sie sich den Durchsuchungsbeschluss auch geben und heben Sie ihn auf.
  • Verlangen Sie ein Protokoll der Durchsuchung, vor allem, wenn Sachen aus Ihren Räumen mitgenommen werden. Tipp: Sie können es nicht verhindern, dass Dinge aus Ihrer Wohnung beschlagnahmt werden, Sie sollten dem aber auf keinen Fall zustimmen.
  • Sie müssen nichts unterschreiben - auch wenn man Ihnen den Stift "zum Quittieren" reichen wird. Verweigern Sie das, Sie müssen nichts unterschreiben!
  • Sie müssen die Durchsuchung zwar dulden und können sie in der Regel auch nicht verhindern. Sagen Sie aber, dass Sie nicht einverstanden sind.
  • Wenn Dinge mitgenommen werden sollen, die dem Mitbewohner oder einem Familienmitglied gehören, sollten Sie darauf hinweisen und ausdrücklich widersprechen.
  • Sagen Sie: Ich möchte sofort meinen Rechtsanwalt anrufen. Dazu haben Sie immer das Recht! Notfalls rufen Sie den Strafverteidigernotdienst an [Sie erreichen Rechtsanwalt Albert rund um die Uhr in Notfällen unter 0176 / 93 10 36 15; wenn wir nicht erreichbar sein sollten, bitte den allgemeinen Strafverteidigernotruf anrufen (z.B.: 0172 / 827 07 70)].
  • Sie haben das Recht auf einen neutralen Zeugen (z.B.: Nachbar, Freund) bei der Durchsuchung. Nutzen Sie dieses Recht, die Ermittler fühlen sich kontrolliert und werden sich ruhiger verhalten.
  • Wenn die Beamten Unterlagen mitnehmen möchten, kann man das evtl. verhindern, indem man ihnen erklärt, dass diese Unterlagen nicht wichtig sind für das Verfahren.
  • Das Wichtigste: Machen Sie auf keinen Fall Angaben zur Sache. Viele denken, dass es gut ist, mit den Beamten zu sprechen. Das ist nicht richtig! Oft sagen die Ermittler zu Beschuldigten, dass sie aussagen sollen, dann würden sie nicht so hart bestraft und sich alles aufklären. Glauben Sie das nicht! Oder die Polizisten bieten Ihnen das Du und eine Zigarette an und verwickeln Sie in ein scheinbar freundschaftliches Gespräch. Juristen bezeichnen diese Vorgehensweise als kriminalistische List. Die ist zwar nicht verboten, für Beschuldigte aber äußerst gefährlich.
  • Beachten Sie immer: Ohne den Rat Ihres Rechtsanwalts dürfen Sie keinesfalls aussagen. Sie können als Betroffener nicht erkennen, welche Aussage für Sie gut ist und welche schlecht. Fehler zu Beginn des Verfahrens sind oft nicht mehr wiedergutzumachen.

 

Ladung zur Polizei: 

Nicht zur Polizei, zum Anwalt musst Du gehen!
 

Als Beschuldigter in einem Straf- oder Ordnungswidrigkeitsverfahren erhalten Sie meistens eine Ladung von der Polizei zur Vernehmung. "Ladung" verstehen Viele so, als ob sie dieser folgen müßten. Aber: Natürlich müssen Sie nicht zur Polizei gehen und vor allem dürfen Sie ohne anwaltlichen Rat auf keinen Fall eine Aussage machen.

 

Bitte melden Sie sich sofort bei Ihrem Anwalt, wenn eine Ladung bei Ihnen eingeht. Ganz irgnorieren sollten Sie diese also nicht. Sondern Ihr Anwalt wird sich dann bei der Polizei melden und das weitere Vorgehen mitteilen.

 

Vorsicht bei "erkennungsdienstlicher Behandlung" und DNA-Proben

Häufig fordert die Polizei auch auf, zur sogenannten erkenndungsdienstlichen Behandlung zu erscheinen: Dann werden Fingerabdrücke genommen, gemessen, gefragt, notiert. Von jedem Tattoo möchten die Beamten wissen. Auch hier gilt: Keinesfalls ohne vorher mit dem Anwalt zu sprechen, zur erkennungsdienstlichen Behandlung erscheinen. Vielmehr muss der Anwalt versuchen, diese möglichst abzuwenden. Wenn die Daten erst einmal gesammelt sind, ist es ein langer und keineswegs sicher erfolgreicher Kampf, die Löschung hinzubekommen.

Ganz besonders wichtig: Keinesfalls einer freiwilligen DNA-Probe (in der Regel Speichelprobe mit Wattestäbchen im Mund) zustimmen. Eine solche darf nur vom Richter angeordnet werden. Lassen Sie sich niemals von der Polizei überzeugen, freiwillig in einem Ermittlungsverfahren eine solche Probe abzugeben.

 

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