Fachanwalt für Strafrecht Jahn-Rüdiger Albert


 

Umlage von Verbandsstrafen rechtlich fragwürdig

Zum aktuellen Streit: Strafen für einen Fußballverein - haftet hierfür der Fan?

 

Das Bestreben einiger Bundesligavereine, Strafen des Sportgerichts des Deutschen Fußballbundes (DFB) auf Fans umzulegen, ist rechtlich zweifelhaft. Wenn der DFB einem Mitgliedsverein eine Strafe für Vergehen von Fans auferlegt, beruht das Recht zur Verurteilung auf einem Vertrag zwischen dem Verein und dem DFB. Dafür den einzelnen Fan, dem ein Fehlverhalten vorgeworfen wird, in Haftung zu nehmen, ist systemwidrig. Denn es handelt sich um ein Sonderrecht zwischen dem Verein und dem DFB. Der einzelne Fan hat sich diesem Sonderrecht nicht unterworfen. 

 

Die Bestrafung des Vereins wird nicht durch ein sogenanntes "ordentliches" Gericht verhängt. Also ein vom Staat eingerichtes Gericht, das im Namen des Volkes urteilt. Vielmehr handelt es sich um ein Verbandsgericht. Dieses verurteilt den Verein für eigene Verfehlungen des Vereins, beispielsweise weil der Ordnungsdienst nicht ausreichend funktioniert hat. Die Höhe der Strafe bemisst das Gericht nach der Vorwerfbarkeit gegenüber dem Verein und auch nach dessen wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit. 

 

Nach Auffassung von Rechtsanwalt Jahn-Rüdiger Albert dürfen derartige "Strafen" nicht einfach auf Fans umgelegt werden. Denn das Strafrecht unterliegt ausschließlich dem Staat und nicht Vereinen und Verbänden. Ein Regreß gegenüber dem einzelnen Fan würde diesem verfassungsrechtlichen Grundsatz zuwiderlaufen. Eine solche Haftung kann für einen Fan zu einem wirtschaftlichen Fiasko werden. 

 

Zur aktuellen Diskussion der Umlegung einer Strafe des DFB in Höhe von 100.000 Euro gegenüber dem 1. FC Nürnberg: http://www.nordbayern.de/nuernberger-nachrichten/nuernberg/club-oder-fans-wer-zahlt-die-strafe-1.1906833

 


zurück: Zuletzt geändert am 10.03.2012

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