Fachanwalt für Strafrecht Jahn-Rüdiger Albert


 

Was ist ein Pflichtverteidiger?

Häufig fragen Mandanten: Gibt es Prozesskostenhilfe zur Bezahlung des Strafverteidigers? Die Antwort ist leider: Nein. Für den Beschuldigten oder Angeklagten im Strafprozess gibt es keine Prozesskostenhilfe. 

 

Was aber ist ein sog. "Pflichtverteidiger"?

Das ist ein Anwalt, der dem Beschuldigten oder Angeklagten vom Gericht beigeordnet wird. Die Kosten übernimmt der Staat vorläufig. Falls es zu einer Verurteilung kommt und der Angeklagte die Verfahrenskosten tragen muss, werden auch dies ausgelegten Kosten des Verteidigers dem Angeklagten in Rechnung gestellt. 

Der Pflichtverteidiger ist kein Verteidiger zweiter Klasse. Er muss seinen Mandanten ebenso gewissenhaft und engagiert verteidigen, wie jeden anderen Mandanten auch. Für mich ist das selbstverständlich.

Jeder Beschuldiger oder Angeklagter, dem ein Anwalt beigeordnet werden soll, hat das Recht, den Anwalt selbst auszuwählen. Dabei kommt es auch nicht darauf an, wo der Anwalt seinen Kanzleisitz hat.

 

Aber Vorsicht: Es wird eine Frist gesetzt und innerhalb der muss man den Anwalt benennen, sonst besteht die Gefahr, dass das Gericht einen Anwalt auswählt. Dieser kann nicht ohne weiteres wieder ausgewechselt werden. Benennen Sie also rechtzeitig den Anwalt, dem Sie vertrauen! 

 

Und nochmal Vorsicht: Nur weil man einmal gute Erfahrungen mit einer Kollegin oder einem Kollegen z.B. in einer Mietsache gemacht hat, heißt das nicht, dass das die beste Wahl ist für eine Strafsache. Hier empfiehlt es sich, sich genau zu erkundigen, ob der Anwalt regelmäßig Strafsachen bearbeitet und geeignet ist für den konkreten Fall. 

 

Bekomme ich stets einen Pflichtverteidiger? 

Nein, nicht in jedem Fall wird ein Anwalt vom Gericht beigeordnet. Das hängt von der Schwierigkeit und Bedeutung der Sache ab. In vielen Verfahren liegt kein Fall der sogenannten "notwendigen Verteidigung" vor. Das heißt: wenn jemand nicht zwingend einen Anwalt braucht, um sich gegen eine Anklage zu verteidigen, dann ordnet das Gericht keinen Anwalt bei. Selbst wenn man das gerne möchte. Für den Betroffenen ist das nicht immer leicht zu erkennen, Sie sollten sich hier Rat von einem Rechtsanwalt einholen. 

Als erfahrener Strafverteidiger kann ich allerdings nur dringend davor warnen, aus Kostengründen ohne jeglichen anwaltlichen Rat und noch dazu ohne Kenntnis der Akte sich als Angeklagter vor Gericht zu verteidigen. Und auch bereits im Ermittlungsverfahren ist es sehr wichtig, anwaltlichen Rat zu holen. 

Nur wegen der dafür anfallenden Kosten auf einen Rechtsanwalt zu verzichten, ist höchst gefährlich. Geht es doch im Strafrecht häufig um existenzielle Fragen.

 

Was ist ein "Wahlverteidiger"? 

Ein Wahlverteidiger wird nicht vom Gericht beigeordnet. D.h. der Mandant muss den Verteidiger selbst bezahlen. Er hat dieselben Rechte und Pflichten wie ein Pflichtverteidiger. Auch mehrer Wahlverteidiger können beauftragt werden. 

Einen Wahlverteidiger kann man in jedem Stadium des Verfahrens wählen. 

 

Selbstverständlich berate ich Sie anhand Ihres konkreten Falles über die Frage der Wahlverteidigung oder der Pflichtverteidigung. Für die Erstberatung besteht bei mittellosen Mandanten die Möglichkeit, einen Beratungshilfeschein beim örtlichen Amtsgericht zu beantragen. Diese deckt im Strafrecht aber nur eine Beratung und nicht die Verteidigung selbst ab. 

 

Jahn-Rüdiger Albert
Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht


zurück: Zuletzt geändert am 10.02.2015

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